Kreisjägertag 2020 in Brakel zum Thema „Der Luchs im Dreiländereck“

 

Am 14. März 2020 findet der diesjährige Kreisjägertag in der Stadthalle in Brakel zum Thema „Luchs“ statt. Ab 11:00 Uhr ist Einlass in die Stadthalle, das Programm beginnt um 12:00 Uhr. Für das leibliche Wohl sorgt die Otto-Gastronomie aus Beverungen. Die Besucher erwartet ein abwechslungsreicher Tag mit Vorträgen von Michael Back, Luchsprojekt Pfälzer Wald und Dr. Markus Port, Luchsforscher an der Universität Göttingen sowie einer Podiumsdiskussion mit den Referenten und Frederike Wolff, Luchsbeauftragte Landesbetrieb Wald und Holz im Kreis Höxter und Luisa Fischer, Veterinärin der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadensverhütung. Moderator ist der bekannte Jagdschriftsteller Dr. Florian Asche.

 

 

Pressebild KJT Thema Luchs

C. Heider (HIT Umwelt- und Naturschutz Stiftungs- GmbH), Dr. C. Thiel-Bender (Natur- und Artenschutz Management), Freifrau B. von Weichs (1. Vorsitzende der KJS Höxter) und A. Frohss (2. Vorsitzender der KJS Höxter) (von links nach rechts)

„Wir hoffen auf zahlreiche Besucher auch aus der nichtjagenden Bevölkerung, denn der Luchs ist ein interessanter Bewohner auch der heimischen Wälder“ so Britta von Weichs, Vorsitzende der Kreisjägerschaft Höxter. „Für die Unterstützung der HIT-Stiftung bei der Ausrichtung des Kreisjägertags sind wir sehr dankbar.“

 

Deutschland spielt nicht zuletzt aufgrund seiner zentralen Lage in Europa für den Luchs in Mittel- und Westeuropa eine große Rolle. Schätzungen zufolge könnte es derzeit ca. 200 Luchse in Deutschland geben. Der Luchs kommt derzeit in zwei Populationen in Deutschland vor: Eine Population in Ostbayern (Bayerischer und südlicher Oberpfälzer Wald) sowie eine Population, deren Quellgebiet im Harz (Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) liegt und die darüber hinaus die Bundesländer Hessen und Nordrhein-Westfalen berührt. Eine dritte Population befindet sich im Pfälzerwald im Aufbau.

Bislang gibt es in Deutschland kein einheitliches, länderübergreifend koordiniertes Vorgehen zum Erhalt des Luchses. Vier Bundesländer verfügen mittlerweile über sog. Netzwerke von Luchsberatern, so auch NRW.

 

In den letzten Jahren ist es in NRW aber still um den Luchs geworden. Es gibt ein bis zwei vereinzelte Sichtungen, vor allem zwischen Beverungen und der Senne. Nah an NRW fand 2016 im Solling (Niedersachsen) die erste dokumentierte Luchs-Reproduktion statt, im Jahr 2019 konnten nun  erstmals auch im Reinhardswald (Hessen; ca. 50 km südöstlich von Brakel) vier Jungtiere nachgewiesen werden. Ein weiterer Verbreitungspunkt liegt im nordhessischen Kaufunger Wald, nördlich und östlich von Kassel, wo derzeit noch ein aus dem Harz eingewanderter Luchs – zeitweise waren es sogar sechs – dauerhaft lebt. Während der letzten fünf Jahre kam es zu regelmäßigen Wanderbewegungen von männlichen – jedoch nicht von weiblichen – Luchsen in dieses Gebiet. Ohne ein Weibchen wird sich der Luchsbestand in Nordhessen jedoch nicht erholen und etablieren können. Dort unterstützt die HIT Umweltstiftung bereits die wissenschaftliche Begleitung der Jäger,  die sich für das Monitoring der Luchse tatkräftig einsetzen.

 

Denn der Luchs ist letztlich auf die Akzeptanz und die Mithilfe der Jäger angewiesen: Nur wenn der Luchs als „Mitjäger“ im Wald wieder eine Chance erhält, können Schutzbemühungen langfristig zum Erfolg führen. Ob es dabei zu einer Konkurrenzsituation kommen kann, beantwortet Jägerin Dr. Christine Thiel-Bender von Natur- und Artenschutzmanagement wie folgt: „Ein Luchs hat ein Streifgebiet von bis zu 40.000 ha, das er mit kurzfristigen und weiträumigen Ortswechseln nutzt – da sind wir mit unseren Jagdrevieren ganz andere Dimensionen gewohnt und werden den Luchs nur kurz im eigenen Revier haben – falls er denn kommt“. Auf gesellschaftlicher Ebene scheint die Zeit dafür reif zu sein – so spricht der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz angesichts seiner Unterstützung der Wiederansiedlung im Pfälzerwald von einem „grundlegenden Wertewandel“, der der „Natur einen Eigenwert zuordnet“ (Broschüre „Der Luchs im Revier“). Die Zeit ist also reif, denn – so der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz weiter – „Was ist von Schutzbemühungen für unsere Wildarten zu halten, wenn man einen schleichenden und laufenden Artenverlust in außerordentlich geeigneten Lebensräumen sehenden Auges toleriert?“

 

Zwar ist der Luchs durch deutsche wie auch durch europäische und internationale Gesetze streng geschützt – so auch durch das Bundesjagdgesetz mit einer ganzjährigen Schonzeit –, diesen gesetzlichen Schutz jedoch mit Leben zu erfüllen und diese faszinierende Tierart zu erhalten, bedarf dem gesellschaftlichen Engagement der Menschen vor Ort. Vor diesem Hintergrund begrüßt Christoph Heider von der HIT Umweltstiftung, das Interesse der Jägerinnen und Jäger am Thema „Luchs“: „Nur dort, wo der Mensch den Luchs akzeptiert, machen Schutzbemühungen Sinn“. Die HIT Umweltstiftung unterstützt den diesjährigen Kreisjägertag der Kreisjägerschaft Höxter in Brakel zum Thema „Der Luchs im Revier – was bedeutet das?“ finanziell.